GIGS

Unser Institut folgt dem Arbeitsansatz „Gemeinsam Intervenieren, Gemeinsam Sabotieren (GIGS): GIGS, das Akronym ist in Anlehnung an den Begriff „Gig“ (Plural: Gigs; aus dem englischen, abgeleitet von engagement) gewählt. Mit Gigs sind oft das Engagement für einen Auftritt von Musiker:innen gemeint.
Umgedeutet für unser Institut interpretieren wir GIGS als einen performativen Akt der Störung.

In „Vom Nutzen unseres Ärgers“ (1983) beschreibt Audre Lorde, dass Schwarze Frauen und Frauen of Color innerhalb einer Symphonie der Wut leben, in der diese unterdrückt wird. Lorde schreibt aber auch über die transformative Kraft der kollektiven Wut. Als Orchester der Wut sind wir demnach in der Lage, die Symphonie zu stören und ungleiche Machtverhältnisse aufzuzeigen. Wir sehen GIGS in dem Sinne als Teil eines solchen Orchesters, das dazu beiträgt, Ungleichheitsverhältnisse in Kultur- und Wissenschaftsbereich sichtbar zu machen.
Wir laden Menschen mit Erfahrungen der Mehrfachunterdrückungen aus Kunst und Wissenschaft zur Partizipation, zum Experimentieren & Visionieren ein, was affirmative Sabotage im Kontext von strukturellen kulturellen Transformationsprozessen bedeuten kann. Wir verfolgen stets den Anspruch, einen Raum für politische Bewusstseinsbildung über die eigene gesellschaftliche Verortung zu schaffen. Anhand von Konzepten wie etwa Solidarität, Powersharing, Allyship, Komplizen:innenschaft entwickeln wir gemeinsam Handlungsstrategien.

Lecture Performance: GIGS am Staatstheater Nürnberg

Mit dem Ende der Shoa hat kein geschichtlicher Bruch stattgefunden. Im Gegenteil: Es ist eine klare Kontinuität rechten Terrors in Nürnberg, Umland und bundesweit besteht. Unter anderem wurden terroristischen Attentate der rechten Wehrsportgruppe Hoffmann in den 80ern in Bayern und der offiziell erste verübte NSU-Mord in Nürnberg an dem Blumenhändler Enver Şimşek im Jahr 2000 bislang unzureichend aufgearbeitet. Daher stellt das positiv konstruierte Selbstbild von Nürnberg als Stadt des Friedens und Menschenrechte eine Form des Gedächtnistheaters dar – ein deutsches Begehren nach Normalisierung seit der Nachkriegszeit, welches zu sabotieren gilt.

Wie positioniert sich das Staatstheater Nürnberg zu dem positiven Leitbild? Welche Verantwortung muss das Staatstheater für ihre eigenen Verstrickungen mit dem Nationalsozialismus übernehmen? Wenn Geschichte in der Gegenwart fortwirkt, dann ist in dem Gebäude des Staatstheaters die NS-Vergangenheit, bei der das Opernhaus Bühne für Nationalsozialist:innen bot, festgeschrieben. Die „Schwelle(n)“ existieren somit in keinem historischen Vakuum. Wie kann das Theater trotzdem für alle werden? Mehr noch: Wie kann das Staatstheater Nürnberg zu einem sicheren Ort in Zeiten des rechten Terrors werden? Wie können wir uns diesen Ort zu unserem Ort machen?

Mit GIGS wird das Staatstheater Nürnberg zu einem Verhandlungsraum für die Gegenwartsbewältigung. Welche exkludierenden Schwellen bestehen zwischen dem Staatstheater und den Nürnberger:innen und wie können sie sabotiert werden?
Durch intensive Recherchearbeit werden Kontinuitäten von jüdischen, migrantischen und feministischen Widerstandspraxen beleuchtet. Im Rahmen einer Lecture Performance werden BiPoC-Nürnberger:innen anhand der Recherchearbeiten Widerstands- und Sabotagepraxen (weiter)entwickeln und performativ erproben.

Voraussichtliche Premiere: tba
Weitere Termine:
tba
Open Call: https://www.staatstheater-nuernberg.de/content/jobs/open-call-institut-fuer-affirmative-sabotage-sucht-performer-innen-aus

Besetzung
Künstlerische Leitung: Thu Hoài Tran, Miriam Yosef
Dramaturgie: Ceren Kurutan
Performer:innen: tbc